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Aktuelle Serviceinformation

Die Geschichte von KERN & SOHN

Von den Anfängen der Präzisionswaage bis heute

Die Wurzeln von KERN & SOHN reichen weit zurück: Sie liegen in den Entwicklungen des württembergischen Pfarrers und Ingenieurs Philipp Matthäus Hahn (*1739 – † 1790) sowie in der Handwerkskunst des Waagenbauers Jakob Sauter I (*1743 – † 1805), die den Grundstein für den Präzisionswaagenbau legten. Mit der Gründung von KERN & SOHN im Jahr 1844 begann die Geschichte eines Familienunternehmens, das sich über acht Generationen hinweg zu einem international tätigen Hersteller professioneller Wägetechnik und Messtechnik entwickelte und heute als Deutschlands ältester Präzisionswaagenhersteller gilt.

Der Fortbestand des Familienunternehmens war jedoch immer wieder mit großen Herausforderungen verbunden. Mehrfach stellten frühe Todesfälle innerhalb der Familie die Unternehmensnachfolge infrage. Umso bemerkenswerter ist die erfolgreiche Fortführung des Unternehmens über acht Generationen hinweg. Präzision, Qualität und technischer Fortschritt prägen KERN & SOHN seit seiner Gründung bis heute.

Entdecken Sie die wichtigsten Meilensteine aus über 180 Jahren Unternehmensgeschichte.

Alles unter einem Dach: Wohnen – Werkstatt – Landwirtschaft

1767 – 1810

Die Anfänge des Waagenbaus

Alles unter einem Dach: Wohnen – Werkstatt – Landwirtschaft

Philipp Matthäus Hahn, Württembergischer Pfarrer & Ingenieur *1739 - † 1790

Erste Zeigerwaage von Philipp Matthäus Hahn und Jakob Sauter I

Philipp Matthäus Hahn (*1739 – † 1790) war württembergischer Pfarrer, Ingenieur und Wegbereiter des Präzisionswaagenbaus. Mit seinen Konstruktionen legte er wichtige Grundlagen für die spätere Entwicklung der Waagentechnik in Württemberg. Beim Bau einer aufwendigen astronomischen Uhr in Onstmettingen arbeitete er eng mit dem Dorfschmied und Waagenbauer Jakob Sauter I zusammen. Sauter setzte Hahns Konstruktionen mit außergewöhnlichem handwerklichem Können um. Aus dieser Zusammenarbeit entstand vor rund 250 Jahren die Hahn'sche Zeigerwaage – eine technische Innovation, die das Gewicht direkt über einen Zeiger anzeigte. Sie steht am Beginn der Geschichte von KERN & SOHN.

1767 Hahn’sche Holzwaage (links) / 1769 Hahn’sche Eisenwaage von Jakob Sauter (rechts)
Die Hahn’sche Holzwaage von 1767 (linkes Bild) & Die Hahn’sche Eisenwaage von 1769 gebaut von Jakob Sauter (rechtes Bild)

Der Beginn der Geschichte einer Waagenbauer-Familie

Die erste Hahn’sche Waage war komplett aus Holz gefertigt, aber ihre Tragkraft von bis zu 20 Pfund war überschaubar. Die Waage musste aus Eisen gebaut werden, damit man 100 Pfund und mehr wiegen konnte. Nun schlug die Stunde unseres Dorfschmieds und Hahn-Mitarbeiters – Jakob Sauter I. 

1769 war es so weit: Die Hahn’sche Waage aus Eisen war geboren, mit der man bis zu 200 Pfund wiegen konnte. Ein Grundstein der Wägetechnik – die Neigungswaage – war gelegt. Sie war von langer Dauer: Sie kennen sie sicher als die Neigungswaage mit Zeiger aus dem Tante-Emma-Laden.

Allgemeine hydrostatische Waage (1774)
Allgemeine hydrostatische Waage (1774)
Hausuhr gefertigt von Jakob Sauter I im Jahr 1768
Hausuhr, gebaut von Jakob Sauter I (1768)
Holzdrehbank aus der Zeit um 1770
Holzdrehbank (ca. 1770)

Die nächste Generation der Familie Sauter

Zur gleichen Zeit wurde Jakob Sauter I Uhrmacher und Feinmechaniker und bildete drei seiner Söhne zu hervorragenden Technikern aus. Mit den Napoleonischen Kriegen verarmte Württemberg spürbar, und seine Söhne Jakob Sauter II und Johannes Sauter sahen sich zur Auswanderung gezwungen. Ihre herausragenden Leistungen in der Feinmechanik erbrachten sie in Schweden und Frankreich. Der Heimatstadt ging dadurch ein enormer Wissensschatz verloren. Nur ein Sohn, Simon Sauter, blieb seiner Heimatstadt Onstmettingen treu.

Rechenmaschinen, hergestellt um ca. 1800 von Jakob Sauter II. in Stockholm
Rechenmaschinen, hergestellt von Jakob Sauter II in Stockholm (ca. 1800)
1808: Astronomische Globusuhr, hergestellt von Johannes Sauter, Straßburg
Astronomische Globusuhr, hergestellt von Johannes Sauter in Straßburg (ca. 1808)
Astronomisches Planetarium, hergestellt von Jakob Sauter II um ca. 1810
Astronomisches Planetarium, hergestellt von Jakob Sauter II. (ca. 1810)
Chemische Waage, gebaut von Sohn Jakob Sauter II. in Stockholm – für den schwedischen Chemiker Berzelius
Chemische Waage, gebaut von Jakob Sauter II. in Stockholm für den schwedischen Chemiker Berzelius (ca. 1810)
Wohnhaus von Simon Sauter in Onstmettingen

1820 – 1830

Das Wunder in den Bergen

Wohnhaus von Simon Sauter in Onstmettingen

Der Draufgänger – Der Mann mit den „feinen Waagbalken“

Nach 1812 neigte sich die schreckliche napoleonische Zeit langsam dem Ende zu, während sich Handel und Gewerbe in kleinen Schritten erholten. Simon Sauter übernahm die Werkstatt seines Vaters Jakob I. und wurde zum Wegbereiter eines neuen Geschäfts. Zunächst baute er eine aufwendige Uhr – die Drehbank eines Feinmechanikers von 1820 als Meisterstück –, die sein Können als vollendeter Uhrmacher und Feinmechaniker unter Beweis stellte. Um das Jahr 1820 war er schließlich so weit und bot über Großhändler und Handelsgesellschaften „feine Waagbalken“ an.

Drehbank eines Feinmechanikers aus dem Jahr 1820
Drehbank eines Feinmechanikers (1820)
Tischuhr von 1820 mit Datumsanzeige, Glockenläuten und Spieldose
Tischuhr (1820) mit zahlreichen Funktionen: Datumsanzeige, Glockenläuten zum Kirchgang und andächtige Hymnen aus einer Spieldose.
Glocke von Simon Sauter gefertigt um 1825
Glocke, gefertigt von Simon Sauter (ca. 1825)

Der Beginn der Präzisionswaagenherstellung in Onstmettingen

Die Konstruktion der überaus präzisen Waage von Pfarrer Hahn aus dem Jahr 1774 wurde wieder aufgegriffen. Die Zeiten waren günstig, sodass sich Simon Sauter bald gemeinsam mit drei seiner Söhne ganz dem Präzisionswaagenbau widmen konnte. Das abgelegene Dorf Onstmettingen wurde zur Keimzelle einer Spezialisierung, die damals kaum vorstellbar war. Es grenzt nahezu an ein Wunder, dass in diesem Bergdorf, fernab von Universitäten und lange vor dem industriellen Bedarf, derart präzise Waagen gefertigt wurden.

Hahnsche Waage in Wandausführung um ca. 1810
Hahnsche Waage in Wandausführung (ca. 1810)
Hahnsche Waage in Wandausführung für die Thurn und Taxis'sche Post um ca. 1825
Hahnsche Waage in Wandausführung für die Thurn und Taxis'sche Post (ca. 1825)
Apothekerwaagen-Stativ mit Handwaage zur Herstellung von Arzneimitteln, ca. 1825)
Apothekerwaagen-Stativ mit Handwaage zur Herstellung von Arzneimitteln (ca. 1825)
Präzisionswaage mit einem über 200 Jahre verwendeten Konstruktionsprinzip aus der Zeit um 1830
Präzisionswaage (ca. 1830). Dieses Konstruktionsprinzip blieb über 200 Jahre lang aktuell.
Erste Werkstatt von Jakob III. und Matthäus Sauter um 1840.

1831 – 1843

Auf dem Weg zur Unabhängigkeit

Um das Jahr 1840: Erste Werkstatt von Jakob III. und Matthäus Sauter

Trotz guter Auftragslage – schwere Zeiten für die Familie Sauter

Das Geschäft mit den Präzisionswaagen florierte. Zwei von Simons Söhnen, Jakob III. (*1808 – † 1844) und Matthäus (*1818 – † 1846), übernahmen den Betrieb. Doch dann trafen schwere Schicksalsschläge die Familie: Beide starben kurz nacheinander und keiner von ihnen wurde 40 Jahre alt. Der Betrieb stand ohne Führung da, und eine Nachfolge innerhalb der Familie Sauter schien zunächst unmöglich. Die Schließung drohte – das Schicksal der Werkstatt hing am seidenen Faden.

Um ca. 1840 Rekonstruktion einer Werkstatteinrichtung im Waagenmuseum Balingen
Rekonstruktion einer Werkstatteinrichtung im Waagenmuseum Balingen (ca. 1840)
Präzisionswaage im Glasgehäuse mit Milligramm-Empfindlichkeit aus der Zeit um 1840
Präzisionswaage im Glasgehäuse mit Milligramm-Empfindlichkeit (ca. 1840)
Apotheker-Tarierwaage von Jakob Sauter III, ausgestellt 1842 in Stuttgart
Apotheker-Tarierwaage, ausgestellt von Johann Jakob Sauter III auf der Kunst- und Gewerbeausstellung in Stuttgart (1842)

Auguste Sauter und Gottlieb Kern – eine wegweisende Verbindung

Auguste Sauter, die Witwe des verstorbenen Mechanikers Matthäus Sauter, bat den Gemeinderat von Onstmettingen um Erlaubnis, die Trauerzeit vorzeitig zu beenden, um sich mit Gottlieb Kern verloben zu können. 

Gottlieb Kern, vorne sitzend, mit seinen Mechanikern im Jahr 1863

1844 – 1869

Die Gründung von KERN & SOHN

1863: Gottlieb Kern (vorne sitzend) mit seinen Mechanikern

Gottlieb Kern *1819 - † 1886
Gottlieb Kern *1819 - † 1886
Auguste Kern, verwitwete Sauter
Auguste Kern, verwitwete Sauter

Die Gründung von KERN & SOHN durch Gottlieb Kern

Nun schlug die Stunde von Gottlieb Kern. Als Quereinsteiger trat er in die Sauter’sche Werkstatt ein, heiratete die Witwe von Matthäus Sauter und wurde dem gerade erst geborenen Albert Sauter ein fürsorglicher Stiefvater. Die Werkstatt wuchs: Mit neun Mitarbeitern galt Gottlieb Kern 1863 steuerlich bereits als württembergischer Großbetrieb. Die Serienfertigung von Präzisionswaagen begann, und der Markenname GOTTL. KERN & SOHN wurde im In- und Ausland bekannt.

Tafelwaage nach dem Béranger-Prinzip von Gottlieb Kern aus dem Jahr 1847, sogenannte „Englische Waage“
Tafelwaage nach dem Béranger-Prinzip, sogenannte „Englische Waage“, erstes Handelsprodukt von Gottlieb Kern (1847)
Erste deutsche Briefwaage von Gottlieb Kern nach dem Prinzip der Neigungswaage von Pfarrer Hahn aus dem Jahr 1851
Erste deutsche Briefwaage von Gottlieb Kern, gefertigt zeitgleich mit dem Erscheinen der ersten Briefmarke im Königreich Württemberg. Das Prinzip der Neigungswaage von Pfarrer Hahn war dabei unverkennbar (1851)
Analysenwaage für besonders feine Wägungen aus der Zeit um 1860
Analysenwaage für besonders feine Wägungen (ca. 1860)
Neues Geschäfts- und Wohnhaus aus den Jahren 1885/86

1870 - 1901

Industrialisierung und die neue Generation

1885/86: Neues Geschäfts- und Wohnhaus

Kommerzienrat Albert Sauter (*1846 – † 1913)*
Kommerzienrat Albert Sauter *1846 – † 1913

Albert Sauter tritt in das Unternehmen ein – die nächste Generation

Albert Sauter trat 1870 in das Unternehmen ein. Mit seinem Stiefvater Gottlieb Kern verstand er sich gut. Die Firmierung wurde in GOTTL. KERN & SOHN geändert – obwohl Albert eigentlich Kerns Stiefsohn war. Er trieb die Mechanisierung des Betriebs konsequent voran. Die Investitionen in neue Maschinen waren hoch und ließen Gottlieb Kern ausrufen: „Albert – du bringst mich noch unter den Hammer!“ Doch dazu kam es nicht: Mit 22 Mitarbeitern entwickelte sich KERN zu einem der größten Präzisionswaagenhersteller Deutschlands.

1871 brachte einen weiteren entscheidenden Wandel: Die alten württembergischen Gewichtseinheiten wie Lot und Pfund hatten ausgedient. Mit Gramm und Kilogramm erhielten die modernen metrischen Einheiten Gesetzeskraft. Eine Welle von Aufträgen erreichte das Unternehmen. Gottlieb Kern und Albert Sauter konnten die Nachfrage zunächst kaum bewältigen und nur etwa die Hälfte aller Bestellungen abarbeiten.

Kommerzienrat Albert Sauter (Dritter von rechts) wurde 1904 mit der höchsten Stimmenzahl in das Handelskammer-Gremium gewählt.
Kommerzienrat Albert Sauter (Dritter von rechts), 1904 mit der höchsten Stimmenzahl in das Handelskammer-Gremium gewählt
Erster Waagenkatalog von GOTTL. KERN & SOHN aus dem Jahr 1874 mit Einband und illustrierten Produktseiten
Erster Waagenkatalog von GOTTL. KERN & SOHN (1874)
Apotheker-Tarierwaage mit Aesculap-Säule aus dem Jahr 1880
Apotheker-Tarierwaage mit Aesculap-Säule (1880)
Ehefrau Julie Sauter, geb. Landenberger
Ehefrau Julie Sauter, geb. Landenberger
Neuer Firmensitz von GOTTL. KERN & SOHN in Ebingen aus dem Jahr 1885
Neuer Firmensitz von GOTTL. KERN & SOHN in Ebingen (1885)

Neuer Firmensitz von KERN in Ebingen

1885 verlegte GOTTL. KERN & SOHN seinen Firmensitz von Onstmettingen in das neue Betriebsgebäude im benachbarten Ebingen (heute Albstadt-Ebingen). Ausschlaggebend für den Umzug war unter anderem der neue Eisenbahnanschluss in Ebingen. Nach dem Tod von Gottlieb Kern wurde Albert Sauter alleiniger Inhaber, da es in der Kern-Linie keine Nachkommen gab. Albert Sauter war nicht nur Unternehmer, sondern auch einer der aktivsten Bürger der Stadt Ebingen. Im Jahr 1902 wurde ihm vom württembergischen König der Titel „Kommerzienrat“ verliehen.

Gustav Sauter beim Radfahrerverein „Germania“ in Stuttgart, einem der ersten Radfahrervereine

1902 - 1931

Wandel & Wachstum

Gustav Sauter im Radfahrerverein „Germania“ in Stuttgart, einem der ersten Radfahrervereine

Gustav Sauter mit Ehefrau Helene, geb. Keller
Gustav Sauter mit Ehefrau Helene, geb. Keller

Wachsender Wettbewerb in der Waagenindustrie

Mit der fortschreitenden Industrialisierung in Deutschland nahm auch der Wettbewerb in der Waagenindustrie stark zu. Neue Waagenfabriken entstanden in großer Zahl, und der Preisdruck unter den Herstellern wurde so hoch, dass selbst Kunden dazu mahnten, wieder stärker auf Qualität zu achten. Verzweifelt schrieb die Handelskammer Reutlingen im Jahr 1902: „Und so bleibt nichts anderes übrig, als daß ein Engel vom Himmel kommt und hilft.“ Makaber genug: Zu Hilfe kam kein Engel, sondern der Erste Weltkrieg.

Abbildung der Betriebsgebäude von GOTTL. KERN & SOHN in Onstmettingen und Ebingen aus dem Verkaufskatalog von 1924
Betriebsgebäude von GOTTL. KERN & SOHN in Onstmettingen und Ebingen, Abbildung aus dem Verkaufskatalog (1924)

KERN in Zeiten von Krieg, Inflation und gesellschaftlichem Wandel

Während des Ersten Weltkriegs entdeckte das Militär die Waagenindustrie für sich und bestellte Krankenhauswaagen, Pulverwaagen sowie schließlich auch Gewehr- und Zünderteile. Gustav Sauter führte das Unternehmen durch die Wirren des Ersten Weltkriegs und die darauffolgende Inflation. Um die Löhne seiner Mitarbeiter auszahlen zu können, ließ er sogar eigenes Notgeld auf Packpapier drucken.

Nach dem Krieg begann eine neue Ära: 1918 arbeiteten erstmals Frauen in den Waagenfabriken. Gleichzeitig entstand die Tarifpartnerschaft. Im Kampf um einheitliche Löhne kam es zu monatelangen Streiks und Aussperrungen. Mit der Einführung des Acht-Stunden-Tages reduzierte sich die Arbeitszeit schließlich auf 48 Stunden pro Woche.

Messeschrank von GOTTL. KERN & SOHN für Weltmessen aus dem Jahr 1900 mit ausgestellten Waagen
Messeschrank von GOTTL. KERN & SOHN für Weltmessen (1900)
Pulverwaage aus dem Jahr 1915 zum automatischen Abfüllen von Pulver auf ein genaues Gewicht
Pulverwaage zum automatischen Abfüllen von Pulver auf ein genaues Gewicht (1915)
Gewerkschaftsversammlung in Ebingen im November 1918
Gewerkschaftsversammlung in Ebingen (November 1918)
1944: Verwaltungs- und Wohngebäude nach dem Luftangriff

1932 - 1959

Zwischen Fortschritt & Krieg

1944: Verwaltungs- und Wohngebäude nach dem Luftangriff

Paul Sauter   *1899 - † 1944
Paul Sauter *1899 - † 1944
Walter Sauter *1908 - † 1944
Walter Sauter *1908 - † 1944

Paul und Walter Sauter – KERN in der Wirtschaftskrise und im Zweiten Weltkrieg

Mitten in der schweren Wirtschaftskrise der Weimarer Republik übernahmen Paul und Walter Sauter 1932 die Nachfolge ihres Vaters Gustav Sauter. Die wirtschaftliche Lage war schwierig: Der Umsatz von GOTTL. KERN & SOHN brach um 50 % ein. Nach 1933 wurden die wenigen Friedensjahre intensiv genutzt. Doch schon bald mussten die feinmechanischen Betriebe auf Kriegsgerät umstellen – ob sie wollten oder nicht.

1944 kamen Paul und Walter Sauter bei einem Luftangriff auf das Firmengelände ums Leben. Erneut hing das Schicksal von KERN & SOHN am seidenen Faden.

Else Sauter *1902 - † 1965
Else Sauter *1902 - † 1965

Else Sauter – Unternehmensfortführung und schwieriger Neuanfang

Nach dem Tod von Paul und Walter Sauter setzte ihre Schwester Else Sauter alles daran, den Betrieb fortzuführen und das Unternehmen für die Kinder von Walter Sauter zu erhalten. Dies gelang, doch die wirtschaftlich erfolgreiche Aufbauphase der 1950er-Jahre ging an GOTTL. KERN & SOHN weitgehend vorbei. Die Geschäfte waren rückläufig, und das Unternehmen lebte zunehmend von seiner Substanz – vom Wirtschaftswunder war bei KERN wenig zu spüren.

1954 versuchte GOTTL. KERN & SOHN mit einer für Dr. Oetker produzierten Diät- und Backwaage einen Neuanfang.

Analysenwaage im Glasschrank aus dem Katalog von GOTTL. KERN & SOHN aus dem Jahr 1933
Analysenwaage im Glasschrank als Spitzenprodukt im Katalog von GOTTL. KERN & SOHN (1933)
Diät- und Backwaage, hergestellt für Dr. Oetker (1954)
Diät- und Backwaage von GOTTL. KERN & SOHN, hergestellt für Dr. Oetker (1954)
Karbidlampe aus dem Jahr 1945, gefertigt aus dem Fuß einer Waagensäule
Karbidlampe aus dem Fuß einer Waagensäule (1945)
Fertigungsstraße für die Montage der Waage Modell 110 um 1970

1960 - 2002

KERN ist wieder im Spiel

Um 1970: Fertigungsstraße für die Montage der Waage Modell 110

Martin Sauter *1938
Martin Sauter *1938

Martin Sauter – technischer Aufbruch im Zeitalter der Elektronik

Mit nur 22 Jahren übernahm Martin Sauter, Sohn des 1944 verstorbenen Walter Sauter, eine schwierige Aufgabe bei KERN. Das Produktionsprogramm war stark veraltet und musste grundlegend erneuert werden. Nach intensiven Aufbau- und Entwicklungsjahren war KERN bei mechanischen Waagen wieder gut aufgestellt, und das Geschäft zog erneut an.

Doch die Erholung währte nicht lange: In den 1970er-Jahren verdrängte die aufkommende Elektronik zunehmend die mechanische Wägetechnik – ein tiefgreifender technologischer Umbruch für KERN. Erneut folgte ein Neuanfang, der schließlich mithilfe der Globalisierung gelang.

Dr. Marijke Sauter, geb. Heimke (1994)
Dr. Marijke Sauter, geborene Heimke (1994)
Neuer Standort im benachbarten Ebingen
Neuer Standort im benachbarten Ebingen

Kalibrierservice, Wachstum und Umzug nach Balingen

Darüber hinaus kamen hochwertige messtechnische Prüfdienstleistungen wie die Kalibrierung von Waagen und Gewichten (DKD, Deutscher Kalibrierdienst) hinzu. KERN wuchs in dieser Phase stark, und Martin Sauter wurde im Vertrieb sowie im Finanz- und Rechnungswesen tatkräftig von seiner Ehefrau Dr. Marijke Sauter unterstützt.

Das vom Uroßvater und Großvater errichtete Werk mitten in der Ebinger Innenstadt wurde schließlich zu klein, sodass das Unternehmen im Jahr 2000 in einen Neubau nach Balingen umzog.

Mittelschalige Analysenwaage, Modell 110 (um 1965)
Mittelschalige Analysenwaage, Modell 110 (um 1965)
Schiebegewicht-Präzisionswaage KERN 150 (1970)
Schiebegewicht-Präzisionswaage KERN 150 (1970)
OIML-Gewichte der Klasse E2 im Holzetui, ab 1974
Neue europäische OIML-Gewichte: KERN leistet gemeinsam mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) Pionierarbeit bei der Einführung der Genauigkeitsklasse E2 (ab 1974)
Oberschalige Präzisionswaage KERN 810 mit Digitalanzeige aus dem Jahr 1977
Oberschalige Präzisionswaage KERN 810 aus der ersten elektronischen KERN-Generation (1977)
Martin Sauter mit Sohn Albert, Hans Pfarr und Erwin Zizmann im Labor um 1976
Unternehmer Martin Sauter mit Sohn Albert auf dem Arm, Oberbürgermeister Hans Pfarr von Albstadt-Ebingen und Betriebsleiter Erwin Zizmann im Labor (um 1976)
Johannes Klaiber, Robert Ströhlin und Martin Sauter bei der Jubilarehrung 1977
Jubilarehrung: Von links nach rechts Betriebsratsvorsitzender Johannes Klaiber, Jubilar Robert Ströhlin für 25-jährige Betriebstreue und Geschäftsführer Martin Sauter (1977)
Martin und Marijke Sauter mit ihrer Familie im Innenhof des Firmengeländes in Albstadt-Ebingen 1985
Unternehmerfamilie Martin und Marijke Sauter im Innenhof des Firmengeländes in Albstadt-Ebingen (1985)
KERN im Jubiläumsjahr 2019 – mit Gebäudeerweiterung

2003 - 2023

Digitalisierung & globale Präzision

2019: KERN im Jubiläumsjahr mit Gebäudeerweiterung

Albert Sauter *1975
Albert Sauter *1975

Auf zu neuen Ufern

Zu Beginn des neuen Jahrtausends trat Albert Sauter, der älteste Sohn von Martin Sauter, in das Unternehmen ein. In diesen Jahren wurde das klassische Sortiment an Präzisionswaagen deutlich um Industriewaagen erweitert.

Mit der Gründung der SAUTER GmbH im Jahr 2006 belebte Albert Sauter den traditionellen Familiennamen neu und bot unter dem Dach von KERN Messgeräte für Kraft, Härte und Schichtdickean.

SAUTER Kraftmessgerät mit Prüfstand aus dem Jahr 2006
SAUTER-Messinstrumente: Start des Sortiments mit Kraftmessgeräten (2006)
KERN Stuhlwaage für medizinische Anwendungen, ab 2008
Medizinwaagen erweitern das KERN-Portfolio (ab 2008)
KERN Stereomikroskop aus dem neuen Segment KERN Optics, seit 2014
Neues Segment KERN Optics: Mikroskope und Refraktometer (seit 2014)

Neue Geschäftsfelder und Ausbau in Balingen-Frommern

2008 setzte KERN die Diversifizierung fort und erweiterte sein Sortiment um ein umfangreiches Angebot an Medizinwaagen. Sechs Jahre später erschloss das Unternehmen mit Mikroskopen und Refraktometern ein weiteres Geschäftsfeld.

Mit dem wachsenden Produktsortiment wurde auch der Platz am Standort Balingen-Frommern erneut knapp. Deshalb wurde der Standort in den Jahren 2014–2015 deutlich erweitert: Ein neues Multifunktionsgebäude und ein Hochregallager mit 100.000 Lagerplätzen schufen zusätzliche Kapazitäten für das weitere Wachstum von KERN.

KERN & SOHN Führungskreis und weitere Anwesende bei der Verabschiedung von Elmar Hauschel
KERN & SOHN Führungskreis und weitere Anwesende bei der Verabschiedung des langjährigen Betriebsleiters Elmar Hauschel
Familie Sauter mit Balinger Bürgermeistern beim Rundgang durch den KERN-Standort in Balingen-Frommern 2016
Familientour der Familie Sauter mit den Balinger Bürgermeistern durch den KERN-Standort in Balingen-Frommern am Tag der offenen Tür (11. Juni 2016)
Baustelle zur Erweiterung des KERN-Standorts im Gewerbegebiet Ziegelei in Balingen-Frommern 2014–2015
Baustelle im Gewerbegebiet Ziegelei in Balingen-Frommern (2014–2015)
Albert und Jessica Sauter mit ihren Töchtern im Jahr 2018
Albert und Jessica Sauter mit ihren Töchtern (2018)
Vollautomatisches Hochregallager von KERN in Balingen-Frommern mit über 100.000 Lagerplätzen

2024

Die Zukunft der Präzision gestalten

Vollautomatisches Hochregallager von KERN mit über 100.000 Lagerplätzen

Albert Sauter links und Claudia Bitzer rechts im Jahr 2022
Albert Sauter und Claudia Bitzer (2022)

Heute wird KERN & SOHN in der achten Generation geführt und agiert am Puls der Zeit: mit vernetzbaren Produkten, spezialisierten Softwarelösungen wie EasyTouch und BalanceConnection, kundenspezifischen Wägelösungen von CUSOS und einem vollautomatisierten Hochregallager. Kontinuierliche Innovation, konsequente Weiterentwicklung und nachhaltiges Wirtschaften bilden die Grundlage, um die über 180-jährige Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens auch in Zukunft fortzuschreiben.

KERN Produktkataloge für Waagen, Medizinwaagen, Mikroskope, Refraktometer und Messtechnik
5.000 Artikel auf einen Blick – in unseren Produktkatalogen finden Sie das gesamte KERN-Sortiment rund um die Wäge- und Messtechnik
Teilnehmende bei der internationalen KERN & SOHN Hausmesse für Großkunden im Jahr 2022
KERN & SOHN Hausmesse für Großkunden mit 120 Teilnehmenden aus 84 Unternehmen und 26 Ländern sowie 102 Schulungen in zwei Sprachen (2022)
Stückzählung mit KERN Waage und EasyTouch Software in der Lagerlogistik
Digitale Stückzählung und Datenerfassung mit der Wägesoftware KERN EasyTouch

Markteinführung digitaler Produktgenerationen

Zu den neuesten Innovationen von KERN & SOHN gehören vernetzbare, IoT-fähige Waagen, fortschrittliche Softwarelösungen und intuitive Touch-Systeme. Diese Technologien ermöglichen eine nahtlose Integration, Echtzeit-Datenaustausch und eine benutzerfreundliche Bedienung. Gemeinsam bieten sie intelligente, vernetzte Wägelösungen für moderne Industriezweige – und steigern so die Effizienz, Rückverfolgbarkeit und digitale Transformation in Wäge- und Messprozessen.

Moderne KERN Waage als Beispiel aktueller Wägetechnik
Produktinnovationen der Marke 'KERN': moderne Wägetechnik
Moderne Messtechnik der Marke SAUTER
Expansion der Marke 'SAUTER': moderne Messtechnik von KERN & SOHN
Automatisierte Kalibrierung von Prüfgewichten im KERN-Kalibrierlabor
Erweiterung des KERN-Kalibrierlabors – DAkkS-akkreditiert nach ISO/IEC 17025; KERN zertifiziert nach ISO 9001 und ISO 13485
Büro- und Lagergebäude von KERN mit nachhaltiger Energieversorgung durch Geothermie und Photovoltaik
Geothermie und Photovoltaik versorgen Büro- und Lagergebäude mit Energie – Verantwortung für Umwelt und Region

Internationale Präsenz weiter stärken

2024 erhielt KERN & SOHN die SFDA-Zulassung für IoT-Medizinwaagen der KERN IoT-Line. Damit wurde eine wichtige Grundlage für den weiteren Ausbau der Präsenz in Saudi-Arabien und im Nahen Osten geschaffen. Zugleich stärkt KERN den internationalen Wissenstransfer mit regelmäßigen Schulungen und Seminaren für Fachhändler und Servicetechniker – sowohl vor Ort als auch online.

Heute ist KERN in über 90 Ländern vertreten und arbeitet mit einem internationalen Netzwerk aus Fachhändlern und Vertriebspartnern zusammen. Mehrsprachiger Service und digitale Angebote unterstützen die weitere Internationalisierung. Gleichzeitig bleibt das Familienunternehmen seinen Wurzeln treu: In der achten Generation verbindet KERN mehr als 180 Jahre Erfahrung mit den Werten, die das Unternehmen bis heute prägen: Qualität, Präzision und kontinuierliche Innovation.